Der deutsche Michel und die digitale Welt - Zur Debatte über Google Street View

von Mischka | 14. August 2010

Während die Regierung die größte unsoziale Umverteilungsaktion in der Geschichte der Bundesrepublik plant, scheint den Deutschen vor allem eins aufzuregen: der amerikanische “we are not evil”-Konzern Google plant bald sein neues Navigationssystem Google Street View in Deutschland zu starten. Die größten deutschen Städte werden dann als Fotomontage virtuell begehbar sein. Man kann etwa bereits bei der Urlaubsplanung einen kleinen Rundgang in der Umgebung des Hotels unternehmen. So sieht man schon im Vorfeld, ob eine Kläranlage vor dem Fenster den Urlaubsaufenthalt beeinträchtigen kann, ob es eine gute Infrastruktur in der Umgebung gibt (Spätis und Internetcafes) oder die Gegend einfach nur “Tote Hose” ist.

Zu Recht forderten Datenschützer_innen, dass Personen oder Nummernschilder in der Streetview-Ansicht unkenntlich gemacht werden sollen. Es wäre sicher peinlich, wenn einen die Ehefrau zufällig bei Streetview bei einem Seitensprung Hand in Hand mit der Geliebten entdeckt. Auch andere unangenehme Szenarien sind sicher denkbar.

Google geht auf diese verständlichen Forderungen ein, dem Deutschen scheint es aber noch nicht genug. Am liebsten würde er diese ganze virtuelle Bildersammlung verbieten. Nur: die Debatte lässt nüchterne Argumente missen. Sie ist vor allem bestimmt vor der Angst, das Internet in Person von Google würde zu tief in die Privatsphäre eindringen. Während 9 Millionen deutsche Facebook-Nutzer auch das kleinste Detail aus ihrem aufregenden Leben bei Facebook veröffentlichen, soll Google Street View, ein Dienst, der Fotos letztlich nur Fotos von Häusern und Straßen zugänglich macht, tief in die Persönlichkeitsrechte eingreifen. Wo kämen wir denn hin, wenn mein Haus im Internet steht? Das Handyvideo von der letzten Betriebsweihnachtsfeier, welches die durchschnittlich 140 Facebookfreunde sehen können, bereitet dem Deutschen anscheint weniger Bauchschmerzen.

Sicher: die “Datenkrake” Google sammelt seit Jahren vielfältige personalisierte Informationen seiner Nutzer_innen. Diese Datensammlung kann sich als gefährlich erweisen. Nur sind diese Informationen solche, die die Nutzer_in selbst abgibt. Wer keine Cookies speichert und per Browsereinstellungen  verbietet, dass private Informationen an den Websiteprovider gesendet werden, braucht Datenkraken nicht zu fürchten. Google hat zwar mit dem Streetview-Projekt Millionen von Fotos des öffentlichen Raums gesammelt. Millionen Fotos mit Geoinformationen sind aber z.B. über den Dienst Panoramio längst verfügbar. Auch bei Flickr lassen sich Geoinformationen in die Bilder einbinden. Diese Daten hat nicht Google oder im Fall von Flickr yahoo! gesammelt, sie wurden von den Nutzer_innen selbst hochgeladen, ergeben aber in ihrer Gesamtheit eine ähnlich hohe Informationsdichte.

Warum sich nun also alle Welt auf Google stürzt, hat wohl eher mit irrationalen Ängsten vor dem amerikanischen Konzern zu tun. Die deutsche Politik weiß Michels Ängste gut zu nutzen, lenken sie doch von eigentlichen Problemen und den Lösungsansätzen der Politiker ab. Die umfangreiche Speicherung von Arbeitnehmer_innen-Daten durch das Elena-System konnte ohne sichtbaren Widerstand aus der Bevölkerung eingeführt werden. Während sich also mutige Politiker_innen mit einer Lex Google einen Namen versuchen zu machen, laufen die Vorbereitungen, das größte Sparpaket der Geschichte der Bundesrepublik durch den Bundestag zu winken. Ich schätze eine Demo gegen Google würde mehr Menschen auf die Straßen bringen, als eine gegen Sozialabbau und Hartz-4-Bashing.

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“Kinderschänder” - rechts-populistische Sprache in den Mainstreammedien

von Mischka | 22. Oktober 2009

Sexualstraftäter, die sich an Minderjährigen vergehen nennt der Volksmund “Kinderschänder”. Boulevardblätter, rechte Propagandisten und Populisten schauen ja dem Volke gern auf den Mund und verwenden die vulgäre Sprache des Stammtischs um emotionen auszulösen und den Volkszorn anzuheizen. So wird über Asylbetrüger, Neger oder Schwuchteln geredet.

Der rechtspopulistische Kampfbegriff “Kinderschänder” hat es nun auch in die Nachrichten der Tagesschau geschafft. Ein Aufstieg der emotionsgeladenen pöbelnden Stammtischsprache ins intelektuelle Bürgertum. Man graut sich schon vor den Debatten, die hier ausgelöst werden. Dass in Polen (alle) pädophilen Sexualstraftäter nun zwangsweise “chemisch kastriert” werden sollen verstößt gegen Menschenrechte. Dass diese Nachricht in einer stammtischsprache bei der Tagesschau serviert wird, als wäre ein solcher Begriff normal gibt allen Menschen vorschub, die schon seit ewigkeiten ungeniert über Kinderschänder und Asylschmarotzer schimpfen. Ein öffentlich-rechtliches Nachrichtenportal sollte eine andere Sprache sprechen und die emotionen etwas dämpfen.

Keine Frage, die sexuelle, seelische und körperliche Unversehrtheit von Kindern ist ein hohes Gut. Dennoch sollten pädophile Sexualstraftäter nicht an den Mob ausgeliefert sondern psychologisch gut betreut werden. Rechtspopulistische Kampfbegriffe gesellschaftlich hoffähig zu machen ist da kein guter Weg.

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Rassisten

von Mischka | 9. Oktober 2009

Wenigstens hat es eine Reaktion provoziert, ich dachte schon, die Menschen hier wären nun komplett verblödet, aber zumindest der Zentralrat der Juden kann noch klar denken. Mit Sarrazin kann dann auch gleich der Bezirksbürgermeister von Neukölln zurücktreten, der im Heute Magazin am Mittwoch noch eins draufgesetzt hat. Frag mich, warum sie in Neukölln noch nicht das Rathaus gestürmt haben bei soviel offenem Rassismus.

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Dubcommander DJ-Set

von Mischka | 28. Juli 2009

Hab vor kurzem einen Mix mit schönen Dubtracks gemacht. Der große Teil der Tracks steht unter Creative Commons und kommt von den sehr empfehlenswerten Netlabels aquietbump, ideology und jahtari.

Download als Zip (incl. Playlist)

Download als mp3

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Endlich: Berlin am Strand

von Mischka | 6. April 2009

Heute bei Wetter.com:

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[Videospiel] Alleine gemeinsam

von Mischka | 25. Februar 2009

Beim Flash-Game Cursor*10 klickt man sich gemeinsam mit sich selbst durch die Levels. Die Idee ist einfach zu schön um nicht erwähnt zu werden. Wer sich durch alle Levels geklickt hat, es gibt auch einen zweiten Teil:

Cursor*10 II

via Nerdcore

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An der alten Mühle

von Mischka | 18. Februar 2009

Selten so gelacht, da haben sich die Dorfnazis an der winterlichen alten Mühle getroffen um ihren ganz persönlichen “Weg aus dem Kapitalismus” auszuplaudern: keine Drogen, kein Fernsehen, kein “Dosenfraß”. Denn: “Alle Räder stehen still wenn der Konsumverzicht es will”… Also, liebe Nazis, jetzt schön im Bioladen Produkte aus der Region kaufen und danach zu Hause das Brettspiel ausgepackt und mit der Familie fein Konsumverzicht geübt. Dann geht der ganze Kapitalismus vor die Hunde und übrig bleiben gesunde, ehrliche Dorfnazis.

via aftershow

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Sarrazin will zur Bundesbank

von Mischka | 17. Februar 2009

Psychoglobal meint: da ist dann auch besser aufgehoben. Thilo Sarrazin war zuletzt als Hartz-4-Koch in die Schlagzeilen gekommen. Mit seinem penetranten Erwerbslosenbashing hat er sich nicht viele Freunde gemacht. So empfahl er Arbeitslosen, lieber einen zusätzlichen Pullover anzuziehen statt einen erhöhten Heizkostenzuschlag zu fordern. Der Diät-Senator stellte außerdem einen selbsterprobten Hartz-4-Speiseplan zusammen, um seine dummen Vorurteile gegenüber Erwerbslosen zu stützen.

Schade ist es ja um den Politiker mit dem dümmsten Vorurteilen. Als “einizg wahrnehmbares Mitglied des Berliner Drückebergersenats” (CDU) konnten wir uns immer wieder über seine Bemerkungen lustig machen. Dieser “Verlust” (FDP) wird sicher schmerzlich.

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[Videospiel] World Of Goo

von Mischka | 14. Februar 2009

Endlich ist World of Goo auch für Linux erschienen. Bei diesem Denk- und Geschicklichkeitsspiel geht es darum möglichst stabile Gebilde zu bauen um ans Ziel zu kommen. Im Spiel heißt das: man hilft kleinen wabbligen Goo-Kugeln ein Röhrensystem zu erkunden. Wer früher gerne Lemmings gespielt hat, wird World of Goo lieben.

Die Linuxversion läuft flüssig ohne großartige Hardwarevorraussetzungen, wie 3d-Grafik oder so. Auf der Website der Hersteller gibts ne Demoversion (für Win, Mac, Linux). Die Vollversion kann man für 20$ (per PayPal) als Download kaufen.

Und jetz noch ne Runde…

Trailer World of Goo

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Robert Kurz: Ursachen und Hintergründe der Finanzkrise

von Mischka | 12. Februar 2009

Robert Kurz erläutert in seinem Vortrag (gehalten auf einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Dresden in Zusammenarbeit mit attac (!)) “Ursachen und Hintergründe der Finanzkrise” aus der Sicht der Wertkritik.

zu hören bei Freie-Radios.net

Teil 1 Teil 2

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